[Rezi] Janine Berg-Peer - Schizophrenie ist scheiße, Mama!

»Ihre Tochter hat Schizophrenie!«
Diesen Satz hört Janine Berg-Peer vor 16 Jahren das erste Mal. Von einem Tag auf den nächsten ist nichts in ihrem Leben so wie vorher. Der Kampf einer mutigen und starken Frau um das Wohl ihres Kindes beginnt.
Selbstkritisch und mit großer Offenheit beschreibt sie, wie sie gemeinsam mit ihrer Tochter, manchmal auch gegen sie, lernt, mit deren Krankheit umzugehen.
»Der Boden hat sich unter mir aufgetan. Schizophrenie? Meine Tochter? Das muss das Ende von unserem Leben sein. Die Unsicherheit über die Entwicklung der Krankheit erfasst alles, was ich tue, was ich denke und wie ich mit anderen Menschen kommuniziere. Es gibt keine Verhaltensanleitung für eine Angehörige. Es gibt kein Vorbild. Was darf ich, was mache ich richtig, was falsch? Darf ich überhaupt ein normales Leben weiterleben? Kann ich mich am Leben freuen?«
Ich muss vorweg sagen , dass ich von dem Thema ‚Schizophrenie‘ nicht persönlich betroffen bin und auch niemanden kenne, der darunter leidet. Dennoch interessiere ich mich für Psychologie und habe erwartet, dass mir ‚Schizophrenie ist scheiße, Mama!‘ Die Krankheit und auch das Leben und Leiden damit näher bringen kann.
Janine Berg-Peer erzählt aus ihrer Sicht den Krankheitsverlauf ihrer Tochter. Sie beschreibt die Ängste und Nöte, die Eltern dabei überkommen. Des Weiteren bringt sie einem nahe, wie hilflos man dem ‚System‘ ausgeliefert ist und dass sie ihr komplettes Leben umstricken musste, um mit ihrer Tochter klar zu kommen und ihr zu helfen.

Ich habe mir vorher nie Gedanken darüber gemacht, wie es wohl für Eltern oder auch Angehörige ist, mit einer solchen Krankheit umzugehen. Berg-Peer bringt einem das Ganze unglaublich authentisch und nah am Geschehen nahe, dennoch fehlten mir immer Details. Vieles wiederholt sich einfach, was aber irgendwo auch unvermeidbar ist, wenn dieses wirklich geschehen ist. Ich stelle es mir zumindest sehr schwer vor, mit einer Tochter zu leben, die von einem Moment auf den anderen ein ganz anderes Wesen zeigen kann und einem die übelsten Sachen nachsagt, nie zufrieden ist und dennoch immer mehr erwartet. Ich denke, dass das auch realistisch ist.

Ihre Tochter muss Medikamente nehmen, welche aber untragbare Nebenwirkungen hervorrufen, so dass sie die immer wieder absetzt und sich so ein Teufelskreis in Gang setzt.

Es wird beschrieben, wie hilflos man als Angehöriger ist, wie Ärzte nur wenig Zeit haben und man kaum an Informationen oder Tipps gelangt, um mit sowas umzugehen. Dadurch zeigt sich eine gewisse Verzweiflung, denn eine Mutter möchte helfen, und alles was sie macht scheint falsch zu sein. In dem 20-Jährigen Krankheitsverlauf lernt sie zig verschiedene Pfleger und Ärzte kennen, wovon nur wenige auch für sie da waren und sie mit Rat und Tat unterstützen. Ich kann mir gut vorstellen, dass das Personal sich dabei nichts Böses denkt und einfach mit den Gedanken mehr bei den Patienten, als bei den Angehörigen ist, so dass ich irgendwie auch Verständnis aufbringen kann. Doch es kommen auch überforderte, unfähige und desinteressiertes Personal vor, was für mich ein No-Go ist und einen auch wirklich schmunzeln lässt. Es wird einem bewusst, dass wenn man in einer solchen Sitation steckt, sehr viel Glück mit den Kliniken haben muss, denn die Tochter bekam sogar ständig neue Diagnosen, je nachdem wo sie sich befand hatte sie entweder eine Psychose, Schizophrenie oder eine bipolare Störung. Es gibt gute und schlechte Kliniken und Ärzte, wie in jedem Bereich.

Ebenso wird aufgezeigt, wie wichtig wahre Freundschaften wirklich sein können. Denn bei Janine Berg-Peer hat sich gezeigt, dass die meisten nur wenig Anteilnahme zeigen, sie nicht oder zu wenig unterstützen und schlicht und ergreifend nicht für sie da sind. So steht sie alleine da, bekommt vom Pflegepersonal nur selten Hilfestellung, ist von Freunden alleine gelassen und ihre Tochter kann ihr natürlich auch nicht helfen. Ich stell mir das wirklich schrecklich vor, so dass ich mitgelitten habe.

Einen Kritikpunkt am Buch an sich habe ich dennoch: es wirkt teilweise ziemlich fad runtergeleiert, dann geschah dies, dann das, dann wieder dies… Ich hätte mir mehr Emotion gewünscht, mehr Verzweiflung. Ich finde, bei sowas darf man ruhig mal Verzweiflung zeigen.

Ich denke, ‚Schizophrenie ist scheiße, Mama!‘ ist sehr gut für all jene geeignet, die sich für Psychologie interessieren oder sogar selbst von Schizophrenie in irgendeiner Weise betroffen sind. Auch das bereits angesprochene Personal und Ärzte könnten danach umdenken.

 

1 Kommentar
  1. Hallo :) Ich nutze die Kommentarfunktion mal ein wenig anders und nominiere dich für den "Sisterhood of the World Blogger Award!" :)

    Mehr Informationen findest du hier:
    http://jennys-bookworld.blogspot.de/2014/11/sisterhood-of-world-blogger-award.html

    Liebste Grüße Jenny

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