Interview mit Tomas Maidan



Heute habe ich das Vergnügen euch Tomas Maidan näher vorzustellen. Er ist der Autor von "Taubenschlag" und nun ganz frisch "May Bee", aber ich will euch nicht zu lange vollquatschen, los gehts!

Hallo Tomas! Schön, dass Du dir die Zeit für dieses Interview nimmst. Magst du uns ein wenig über dich erzählen?
Was liest du selbst denn gerne? 
Tatsächlich Michelle Houellebecq. Ich empfinde seine Roman gar nicht als besonders provokativ, sondern als einen Versuch, gewisse Traditionen aus der (französischen) Literatur fortzuschreiben. Es ist doch eine kuriose Frage, ob man die Dekadenz-Literatur des 19. Jahrhunderts fortsetzen kann. Gleichzeitig finde es einfach entsetzlich, zu sehen, wie er sich selbst persönlich, körperlich zugerichtet hat. Das ist doch nicht nur Alkohol, was er nimmt?  Er war ein bedeutender Intellektueller.

Ich habe ja dein Buch „Taubenschlag“ gelesen und hier rezensiert – dabei stellte sich mir die Frage, wie du auf die Idee dazu kamst? Immerhin bist du ein Mann, das passt ja nicht so ganz in die Geschichte ;-)
Tja, das Buch dreht wirklich ein paar labyrinthische Schleifen ins Unterbewusstsein hinab. Die Geschichte hat etwas mit jenen Fantasien zu tun, in denen einige Männer fasziniert sind von Frauen, die auch körperlich stark und geradezu beängstigend wirken. Gleichzeitig schämen sich diese Männer aber auch dafür und empfinden diese Fantasien als lächerlich. Dann habe ich die Perspektive umgedreht und eine Frau in dieser Welt gezeigt, die regiert wird von weiblicher Gewalt. Am Ende ist mehr als nur ein Mystery-Thriller herausgekommen, scheint mir: Ein modernes Drama, das von einer Frau erzählt, die sich grundsätzlich in der Welt als deplatziert empfindet - und dennoch eine unerklärliche Lust für die dunkle Seite empfindet. Anoje wird niemals in den Kreis der toughen Insiderinnen wie Madame und Susan aufgenommen werden. TAUBENSCHLAG erzählt auch das Drama der Generation Praktikum.

Würdest du sagen, dass du persönliche Erfahrungen in deinen Büchern behandelt hast oder dich Situationen im Schreiben beeinflusst haben?
Absolut. Anoje fühlt sich in den Katakomben gleichermaßen geborgen wie deplatziert. Sie bekommt dort einen neuen Beruf - den sie eigentlich gar nicht beherrscht. Ich selbst habe Theaterwissenschaft studiert und mich dann entschieden, ein ganz simpler Beleuchter und später Beleuchtungsmeister zu werden. Damit bekam ich einen sicheren Job, habe viel besser verdient, als meine Kommilitonen, die endlose Jahre als Dramaturgie-Hospitanten verbummelt haben. Nur: ich hatte von Elektrik gar keine Ahnung! Und die rauen Burschen in den technischen Abteilungen haben auf mich, den zarten Schöngeist, ziemlich herabgeguckt. So, wie Susan auf Anoje. Doch obwohl die mich für ein Täubchen gehalten haben, habe ich mich sehr wohl gefühlt, dort unten in den Katakomben der Beleuchtungswerkstätten. Aber wirklich dazugehört habe ich nie. Anoje, das bin ich. Anoje ist mein Hamlet.

Ich habe gehört, dass bald ein neues Buch von dir erscheint?
Ja, und das wird hochinteressant, weil ich den dunklen und etwas handlungsarmen Aspekt aus TAUBENSCHLAG mit einem großen Schwung beiseite wischen will: In Form einer sommerlichen Gruselkomödie, wo eine neue Figur die ganze dunkle Geschichte aufklären wird. May, wie die neue Figur heißt, wird Anoje retten und die ganze Sause zu einem schönen Abschluss bringen. Und es gibt viel Rock-Musik im Kopf. Interessant wird das Buch auch dadurch, dass wir aus einer neuen Perspektive auf das Schloss TAUBENSCHLAG blicken werden - und sehen, wie Anoje von außen betrachtet aussieht. Und ich muss wirklich sagen: das ist ziemlich schrecklich ... Aber May wird alle retten! Und nicht zuletzt wird May mich selbst retten, indem sie diese Geschichte zu einem Happy End bringen wird.

Wie lange brauchst du denn um ein Buch zu schreiben? Hast du dir vorher alles zurecht gelegt oder spontan drauflos geschrieben?
Ich nehme mir genau 6 Monate Zeit. Damit man eine Deadline hat, die einen schön fies unter Druck setzt. 

Ich bin neugierig, und ich denke ‚unsere‘ Leser auch: Kannst du uns ein Bild deines Arbeitsplatzes zeigen?
Das ist ein 8 qm Zimmer, mit Blick auf den Friedhof. Ruhige Nachbarn sind wichtig beim Schreiben. Und ich schwöre auf einen 19 Zoll 4:3 Monitor und einen lüfterlosen Prozessor.

Und hast du bestimmte Gewohnheiten, ohne die du nicht schreiben kannst?
Nein, ich bin Profi, ich kann immer schreiben, auch da, wo andere Leute nicht mal in der Nase bohren können ... :-) Unter Pseudonym schreibe ich ja auch Zeitungsartikel. Ich habe einen 11 Zoll Laptop, mit dem setze ich mich auf eine Parkbank und schreibe da, wenn es sein muss. Einen Großteil der Wirrnis aus TAUBENSCHLAG habe ich auf diese Weise produziert ;-) Aber diesmal schreibe ich mehr in Ruhe zu Hause. MAY BEE hat einen ordentlichen Plot. Einen Anfang. Eine Mitte. Und ein sehr schönes Ende. 

Gab es Bücher oder Autoren, die dich inspiriert und geprägt haben?
Murakami macht mir Mut, weil er einen Stil schreibt, der schlicht und produktiv wirkt. Auch löst er gut die typischen Probleme, die von Verlagen an einen herangetragen werden: welches Genre, welches Publikum will man eigentlich erreichen? Murakami passt eigentlich auch in keine Schublade. Ich glaube, jeder gute Autor kann das oft gar nicht beantworten, ob er »Young-Adult«, oder »Urban-Fantasy«, oder »Mystery-Thriller« oder »Schmunzel-Krimis« schreibt. Die Kunst besteht ja eben genau darin, einen kleinen Schritt anders zu sein als der Rest. Die Beatles haben am Anfang einfach schwarzen Rock and Roll nachgespielt - und dann weit mehr geschaffen, eben weil John und Paul die zarte Pflanze des Genies in sich haben wuchern lassen dürfen.

Würdest du den Schritt des Self-Publishings immer noch gehen?
Naja, ich suche eigentlich einen Literatur-Agenten, der mich bei einem Verlag unterbringen könnte. Sich selbst auf die Socken zu machen und Klinken zu putzen steht in keinem vernünftigen Verhältnis zum Zeit-Aufwand. Für MAY BEE ist es eigentlich viel zu schade, als dass es in einer Nische verschwinden würde.

Gibt es abschließend noch etwas, was du uns mitteilen magst?
Lange habe ich mich nicht mehr so auf den Frühling gefreut, wie in diesem Jahr, wo mein Honig-Roman raus kommt. Die Bienen brummen und mein Friedhof vor dem Fenster duftet. Und: Shakespeares Geburtstag naht! Ich fahre dann immer zu einem niedlichen Kongress, von Leuten, die fest daran glauben, dass Shake-Speare ein Pseudonym war. Eine ziemlich mysteriöse Geschichte. Auf jeden Fall kommt der Sommer, ich habe Urlaub und trinke ein Bier. Kommt, wie ihr seid. Und genießt die beste Jahreszeit!

Ich danke dir Tomas für deine Zeit! :)





Kurzbeschreibung zu May Bee:

Mays Leben ist verzwickt: Erst haut ihr Kater ab, dann rettet sie den falschen Mann - und zu allem Unglück arbeitet sie auch noch bei der Polizei von Kujai. Ein Paralleluniversum voller Hektik, Irrsinn, Korruption. Und sie bekommt die saure Gurke unter den klebrigen Fällen: Sie muss Konsul Bolaire finden - draußen auf Schloss Taubenschlag. Man sagt, dort würde eine Drogenbaronin ihre Pillen an die Bienen verfüttern. Mysteriös. May bricht mit ihrer Freundin Tuh auf, einer durchgeknallten Kioskbesitzerin, die mit der Laune einer rollenden Zitrone den Fall zum bunten Trip macht. Hinter Mauern aus Honig und zwischen magischen Pilzen entdecken die beiden Entsetzliches. MAY BEE ist Märchen, Krimi, Rock and Roll - und erzählt von der Magie des Ausreißens. In einer Welt voller Bullen machen May und Tuh die Fliege - und entdecken, dass man auch im Alleingang die Richtigen retten kann. Kafkaeskes Pop-Abenteuer mit schrägen Bienen.


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